Die Gründung der Gemeinde

Das über 1000 Jahre alte Speldorf war bis ins 19. Jahrhundert weitgehend land- und forstwirtschaftlich genutzt. Aber gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzte auch hier die Industrialisierung ein, insbesondere mit dem Bau des Eisenbahnausbesserungswerkes – heute Betriebshof der Mülheimer Verkehrsgesellschaft. Da die Bevölkerung hierdurch stark anwuchs, beschloss die Muttergemeinde in Mülheim an der Ruhr für Broich-Speldorf eine eigene Pfarrstelle einzurichten. Am 9. April 1876 - Sonntag Palmarum - fand in der Speldorfer Schule der erste Gottesdienst mit dem neuen Pfarrer Kinzenbach statt. 1879 hatte die Gemeinde schon etwa 4500 Gemeindeglieder, so dass der Bau einer Kirche nicht mehr lange hinausgezögert werden konnte.

Baugeschichte

1882 wurde mit dem Kirchenbau begonnen und am 22. November 1883 wurde ein „schönes würdiges Gotteshaus“ eingeweiht. Die neugotische Speldorfer Kirche wurde ohne Kirchturm vom Architekten Roskothen aus Frankenberg gebaut - baugleich mit der Heißener und der Styrumer Kirche. Einen Turm bekam die Lutherkirche erst zwölf Jahre nach ihrer Einweihung. 1895/96 wurde der 51,25 Meter hohe Turm nach dem Entwurf des Architekten Hutze (Porta bei Minden) angefügt und der Chor erweitert. Maßwerkfenster, verschiedene Backsteingliederungen und Abstufungen verleihen ihm eine besondere Note. Eine weitere Charakteristik ist sein Spitzhelm.

Seit 1953 ziert außerdem ein Giebelmosaik vom Grafiker Wolf aus Kaiserswerth sein Portal, mit der Inschrift: „Ein feste Burg ist unser Gott“ (Luthers Überschrift zu Psalm 46). Der Grundriss der gesamten Kirche beträgt 37,60m x 16,76m, das Kirchenschiff ist 15,90m hoch. Da die Kirche in über 125 Jahren kaum beschädigt wurde, können wir heute noch gut die Atmosphäre von 1883 nachempfinden.


Entdeckungsreise durch die Kirche

1939 wurde im Inneren der Kirche der Altarraum verändert. Die heutige Kanzel und der Altar wurden durch die Schreinerei aus dem Siepen nach Entwürfen von Architekt Schönhagen eingebaut.

Weiterhin kamen schmiedeeiserne Kronleuchter in die Kirche, die wir heute noch sehen. 1953 wurden die Seitenfenster erneuert. Die kunstvoll gestaltete Holzdecke ist 1983 wieder mit ihrer originalen Schablonenmalerei in Handarbeit ausgemalt worden. Diese Art der Kassettendecke ist einzigartig in unserem Raum und verleiht der Kirche einen besonders warmen Glanz. Ebenso ist die Handmalerei bzw. „Teppichmalerei“ in den fünf Chornischen im Altarraum nach Originalen von 1883 zum hundertjährigen Jubiläum erneuert worden. Die Kirchenbänke von 1883 stehen noch heute in der Kirche. Im Eingangsbereich des Kirchenschiffes befinden sich Gedenktafeln aus Holz, auf denen stellvertretend für alle Opfer der Kriege die Namen der im Ersten und Zweiten Weltkrieg gefallenen Gemeindeglieder geschrieben sind.


Kirchenfenster im Chorraum

1969 wurden die bunten Chorfenster nach Entwürfen des Bremer Künstlers Heinz Lilienthal eingebaut. Für die Chorfenster gibt es keine Beschreibung des inzwischen verstorbenen Künstlers. Jeder kann selbst auf Entdeckungsreise gehen. Eine Interpretation des Mittelfensters könnte sein, dass Menschen auf dem Weg sind in der Nachfolge Jesu (zwei Gestalten sind im zweiten und dritten rechten Fenster von unten sichtbar). Der Weg mündet oben in dem gelben Rund, in einem hellen Licht als Zeichen für die Auferstehung Christi von den Toten.


Orgel

1962 wurde für die geplante Orgel eine neue Empore eingebaut. 1963 konnte die Gemeinde dann die neue Orgel des Orgelbauers Peter aus Köln einweihen. Die 3035 Pfeifen der Orgel verteilen sich auf 41 klingende Register, die von drei Manualen und Pedalbespielt werden können. 1997 wurde die kleine Orgel desselben Orgelbauers aus dem früheren Gemeindehaus West vorne rechts in der Kirche aufgestellt.


Osterleuchter, Taufbecken und Kerzenleuchter

Der Osterleuchter aus Bronze wurde 2003 von Gemeindegliedern gestiftet. Er wurde von dem Duisburger Goldschmied Claus Pohl hergestellt. Von ihm stammt auch das Taufbecken aus Holz von 2004, das den Säulen der Kirche nachempfunden die alte silberne Taufschale der Gemeinde trägt. 2007 wurde der Kerzenleuchter in Baumform der Gemeinde übergeben. Er besteht aus 168 kg Stahl und wurde von dem ersten Lehrjahr der Duisburger Hüttenwerke Krupp-Mannesmann (HKM) hergestellt.


Glocken

Die heutigen 3 Gussstahlglocken der Lutherkirche wurden 1924 eingebaut, nachdem zwei der drei Speldorfer Bronzeglocken im Ersten Weltkrieg beschlagnahmt und eingeschmolzen worden sind.
Jede der 3 Glocken hat einen eigenen Ton und trägt eine Inschrift:
cis-Glocke - „Allein Gott in der Höh sei Ehr“, Durchmesser: 1,57m;
e-Glocke - „Ein feste Burg ist unser Gott“, Durchmesser: 1,38m;
fis-Glocke - „Himmelan geht unsre Bahn“, Durchmesser: 1,26m.
Die drei Töne bilden den Anfang des „Te Deum“ von Martin Luther,
EG 191, Herr Gott, dich loben wir.

Heute läuten die Glocken zu den Gottesdiensten und sie läuten am Samstagabend den Sonntag ein. In der Woche läuten sie täglich zum Innehalten und zum Gebet am Mittag um 12 Uhr und am Abend um 19 Uhr. Auch der Stundenschlag wird zur halben und zur vollen Stunde hörbar. Die Kirchturmuhr und der Stundenschlag sind inzwischen funkgesteuert.

1982 wurde das gesamte neugotische Gemeindegelände unter Denkmalschutz gestellt: die Kirche (Baujahr 1883), das ehemalige Pfarrhaus Lutherstraße 4 (Baujahr 1888), das Gemeindehaus Mitte (Baujahr 1911) und die Einfriedung des Gemeindegrundstückes (errichtet 1897). Um die Lutherkirche für weitere Generationen zu erhalten, wurde 2008 die „Stiftung Denkmal Lutherkirche“ gegründet. Anfang des Jahres 2010 wurde der Innenanstrich der Kirche erneuert und die Kirchenfenster wurden mit einem feinen roten Strich „gerahmt“.

Gerd Oeckinghaus, Pfarrerin Katrin Schirmer

Dienstag - Freitag10-12 Uhr und 15-17 Uhr

Samstag

10-12 Uhr und 14-16 Uhr

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Duisburger Straße 278
45478 Mülheim an der Ruhr

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